Schleppnetz - Interessantes aus dem Netz....


18.02.2013 Outing mit fadem Beigeschmack

Das Coming-Out des US-Nationalspielers Robbie Rogers ist aus Sicht von Hamburgs schwul-lesbischem Sportverein Startschuss SLSV kein Befreiungssignal. Fußball-Abteilungsleiter und DFB-Ehrenamtspreisträger Carsten Stock reagierte auf den Rücktritt des Sportlers mit deutlicher Kritik am Zustand unserer Gesellschaft und den Zuständen im Profi-Fußball. Rogers hatte sich vor wenigen Tagen öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt und gleichzeitig sein Karriereende erklärt. Zuletzt stand er beim englischen Traditionsverein Leeds United unter Vertrag, der den 25-Jährigen in die dritte Liga ausgeliehen hatte.

 

Der vollständige Text von Alexander von Beyme für QFF


17.04.2012 Auf die Lobby kommt es an

Oder: Was Schwule und Lesben 50 Tage vor der EM von Tierschützern lernen können (Gastbeitrag von Andreas Erb)

In knapp 50 Tagen ist Anpfiff. Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine. Ein Fest des Fußballs. Ein Fenster eines geeinten Europas. Eine Kommunikationsplattform, identitätsstiftend und international. Und ein Ereignis, das bereits vor seinem Anpfiff für bemerkenswerte Randerscheinungen sorgt.
Die erste Erkenntnis der EM: Tierschützer haben gegenüber den Aktivisten der Schwulen- und Lesbenszene eindeutig die Nase vorn. Beziehungsweise die Schnauze.

Der Aufschrei war groß im vergangenen Herbst: Hundemassaker in der Ukraine! Es wurde bekannt, dass man sich dort im Hinblick auf das internationale Sportereignis in ganz besonderer Weise herausputzen wollte. Die Straßen sollten frei sein von streunenden Kötern. Durch systematische Tötung der Straßenhunde wollte man dieses Ziel erreichen. Die morbide Strategie jedoch verfehlte die beabsichtigte Imagewirkung. Im Gegenteil: Sie
wurde zum Bumerang. Tierschützer liefen Sturm. International entbrannte eine Debatte zum Tierschutz.

Dabei gerieten auch die Geldgeber des Fußballs, die Sponsoren der Europameisterschaft, ins Visier der Tierschützer. Die Aktivisten nahmen die Firmen als Finanziers des Sportereignisses in Sippenhaft. Unter anderem wurden der Fastfood-Kette McDonald’s Boykotte angedroht, und über Internetplattformen formierte sich eine Protestbewegung. Die Offensive blieb nicht erfolglos: In Kiew, beispielsweise, unterzeichneten im Februar der stellvertretende Bürgermeister Oleksandr Mazurchak und Wolfgang Apel, Ehrenpräsident des Deutschen Tierschutzbundes, einen Vertrag, der tierschutzkonforme Maßnahmen festsetzt. Damit soll die Straßenhunde-Population der Stadt nachhaltig reduziert werden.

Während die Tierschützer damit für internationale Aufmerksamkeit sorgen, haben es die Aktivisten der Schwulen- und Lesbenszene da bedeutend schwerer, Gehör zu finden. Beispiel: die „Queer Football Fanclubs“ (QFF), ein Netzwerk europäischer schwul-lesbischer Fußballfanclubs, gegründet im Umfeld der Fußball-WM 2006 in Deutschland. Die Organisation setzt sich dafür ein, für Toleranz zu werben und Homophobie aus den Fußball-Stadien zu drängen. Zarte Erfolge kann sie zwar vorweisen, doch nach wie vor bleibt  Homosexualität ein Tabu im deutschen Fußball.

Im Hinblick auf die Europameisterschaft organisierten die QFF nun gemeinsam mit weiteren Akteuren der schwul-lesbischen Sportszene am Ostermontag in Hamburg eine Podiumsveranstaltung unter dem Titel „Queer in (Ost)Europa“. Die Publikumsresonanz war mäßig oder „suboptimal“, wie die Veranstalter sagen. „Mit der Veranstaltung wollten wir auf die Situation von Schwulen und Lesben aufmerksam machen und für Offenheit werben. Denn gerade im Fußball ist das Thema Homosexualität noch tabuisiert“, erklärt QFF-Sprecher Dirk
Brüllau.

Gerade im Fußball und gerade in Polen und der Ukraine. Zwar öffnen sich die Länder im Zuge der europäischen Integration westlich-liberalen Strömungen. In Polen wird derzeit gar ein Gesetzesentwurf diskutiert, der homosexuelle Paare unter anderem im Erbrecht heterosexuellen Ehen angleichen soll. Dennoch sind in den osteuropäischen Ländern konservative Gesellschaftsentwürfe und Geschlechterbilder stärker
verbreitet als in Westeuropa. Vor allem in Sphären wie dem Fußball, im körperbetonten „Männersport“, wo traditionell-verkrustete Rollenklischees grundsätzlich an der Tagesordnung sind. So berichtet bei der QFF-Podiumsdiskussion etwa die ukrainische Fußballerin Alla, aktiv in einem lesbischen Team, von öffentlich-homophoben Anfeindungen gegenüber ihrer Elf. Symptomatisch, dass die Kickerin weder ihren Nachnamen noch ihre Heimatstadt verlautbaren will.

„Unser Ziel ist es, die Polen und Ukrainer zu unterstützen in ihrem Engagement gegen Diskriminierung“, erklärt Brüllau die Intention der QFF. Im Geiste eines „fröhlichen Fußballfestes bei der EM 2012“ wolle man eine Botschaft nach Europa senden. Ob man die jedoch in Polen und Ukraine vernommen hat, bleibt fraglich.

Denn schließlich werben die Aktivisten der Schwulen- und Lesbenszene mit viel Idealismus. Aber ohne die kompromisslose Bissigkeit der Tierschützer, die sich die EM-Sponsoren zur Brust genommen haben.

Dabei wäre es auch hierzulande lohnend, diejenigen zum Thema zu befragen, die sich den Volkssport der Deutschen als Werbeplattform erschließen und mit ihrem Engagement einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung des Fußballs leisten. Denn auch in Deutschland tut man sich nach wie vor schwer beim
Umgang mit Homosexualität im Fußball. Nur wenige begreifen die Gesellschaftliche Kraft des Sports derart umfassend wie Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger, der offen für Toleranz eintritt. Im Gegenteil: Beim Thema  Homosexualität wird in weiten Fußballerkreisen nach wie vor geblockt, gemauert und tabuisiert.

Dies gilt nicht zuletzt für die Sponsoren des Deutschen Fußball-Bundes. Eine Umfrage im Februar 2011 brachte zutage: All jene Firmen halten politisch korrekt die Fahne hoch, wenn es um das so wohlklingende Schlagwort „Diversity“ geht. Gemeint sind damit Attribute wie Vielfalt, Respekt und Toleranz. Jedoch auf die konkrete Frage, ob eine möglicherweise mit dem Fußball assoziierte Homophobie den Imageeffekten widerspricht, die sie sich von ihrem Sportsponsoring erhoffen, lassen zahlreiche Firmen im Portfolio der DFB-Unterstützer ihre Antwort offen. Bei dieser „speziellen Anfrage“ verstehe man sich „nicht als der richtige Ansprechpartner“, erklärt exemplarisch Kommunikationsmanagerin Catarina Mayer Wichmann aus dem Hause
Beiersdorf, das mit der Marke „Nivea for Men“ offizieller Pflegeausstatter des DFB ist.

Mayer Wichmann bittet um Verständnis für ihre Absage: „Unsere Marketingaktivitäten beziehen sich nicht direkt auf den Fußball. Es besteht vielmehr eine Kooperation zwischen Nivea für Men und der Person Jogi
Löw, der als ,Stilikone des gepflegten Mannes‘ die Werte der Marke Nivea for Men vertritt und unterstützt.“
Und weiter: „Es geht also nicht um die Imagemerkmale, die direkt mit dem Fußball als Sport verbunden werden, sondern um das Image von Jogi Löw.“ Übrigens: Auch der Bundestrainer blockt konsequent jede Anfrage ab, wenn es um eine Einschätzung der Situation homosexueller Profis geht, die sich den Zwängen des Fußball-Zirkus‘ unterwerfen und ihre Sexualität verheimlichen. Dem Einsatz gegen Diskriminierung und Tabuisierung, den Gruppen wie QFF mit großer Kraftanstrengung vorleben, erweisen derartige Reaktionen einen Bärendienst.

Irgendwie scheint sie also noch nicht laut genug zu rufen, die Lobby der Schwulen und Lesben. Vielleicht sollte sie lernen. Zum Beispiel von den Tierschützern. Und zwar, indem sie die Fußball-Sponsoren als Mitstreiter für
den Kampf gegen alltägliche Diskriminierung verpflichtet. Möglicherweise nehmen jene Firmen dann nicht nur den Tierschutz ernst. Sondern auch ihre eigenen Ansprüche in Sachen Diversity…

ae

 

Andreas Erb, Jahrgang 1980, ist Journalist und Kulturwissenschaftler. Gemeinsam mit Dirk Leibfried hat er
den Band „Das Schweigen der Männer. Homosexualität im deutschen Fußball“ 2011 im Verlag Die Werkstatt
veröffentlicht. Er lebt und arbeitet in Kaiserslautern.


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